Micropark Pilatus
Go West

Go West

20 Mitarbeiter, jährliche Verdoppelung des Umsatzes, in einer Branche mit über 50 % Jahreswachstum. Und das, wo doch die beiden keine Ahnung von Licht, geschweige denn LED  hatten.  Zwei  Männer,  Generation  Y,  kaffeemachend balanced.

Begonnen hat alles in einer Bar in Shanghai. Dort entstand die Idee von LED, als Marcel Gasser (32) auf einen Kollegen von Jonas Thürig (28) stiess, während Jonas damit beschäftigt war, eine der für Europäer wohl schwierigsten Sprachen zu lernen: Chinesisch. In Europa war LED damals kein Thema und als Wirtschaftsinformatiker hatte Marcel genauso wenig Ahnung davon wie Jonas als Betriebsökonom. Trotzdem wurden im Herbst 2011 nach ein paar Überlegungen – aber eigentlich doch mehr aus Bauchgefühl – Verträge unterschrieben und die FirmapurEco LED AGgegründet. Obwohl alles in China begonnen hat, geht der Weg zurück in die Schweiz, nach Obwalden. Was genau macht Ihr? Jonas lehnt etwas zurück und überlegt kurz, während Marcel entweder nach einer perfekten Antwort sucht oder tatsächlich länger überlegt, was purEco LED macht. «Wir machen  optimale Beleuchtungslösungen, wir sehen uns als Anbieter von Lösungen», sagt Jonas schliesslich. LED sei die Technologie der Zukunft oder eigentlich der Gegenwart, es sei effizienter, umweltfreundlicher, nachhaltiger und besser als bisherige Beleuchtungsmethoden. «Wir bieten also Lösungen für Industrie, Shops, Büros und für den Sportbereich», ergänzt Marcel. « Und wir betrachten das Ganze, nicht nur das Licht. Wir gehen zum Kunden und gucken, wie er mit optimaler LED Beleuchtung möglichst wenig Energie braucht und möglichst hohe Leistung erbringen kann.» Ausserdem müsse es schnell und amortisiert sein. Jonas Thürig (COO) und Marcel Gasser (CEO)
Die Leidenschaft der beiden Jungunternehmer, welche heute im Erfolg resultiert, sei aber nicht etwa dem Licht entsprungen. Viel eher gebühre  sie  der  Technik-Faszination  und  dem  Unternehmertum. «Den Virus des Unternehmertums hat man oder man hat ihn nicht», erklärt Marcel, welcher vor und neben purEco LED noch andere Unternehmen erschaffen hatte oder es immer noch und immer wieder tut. «Ich bin kein Unternehmer, ich bin unternehmungslustig.» «Wir wirken ergänzend.» Kennengelernt haben sich die beiden in der Berufsschule. Danach haben sie sich aus den Augen verloren. Ihre heutige Zusammenarbeit sei weder Schicksal noch Zufall, sondern das Rezept für das Gelingen des Start-ups. «Wir wirken irgendwie ergänzend, unsere Stärken und Schwächen gleichen sich aus », versucht Jonas es in Worte zu fassen. Marcel nickt zustimmend: «Ich  bin  der  Visionär  und  Stratege,  Jonas  ist  die  unabdingbare Konstante, er hält mir den Rücken frei.» Marcel will noch viel mehr, Jonas denkt wir können nicht alles machen, er ist der Realist, Marcel ganz klar ein Optimist: «Ich sehe überall Opportunitäten.» Trotz Erfolg, Ehrgeiz und Optimismus machen die beiden einen sehr gelassenen Eindruck. Es fällt nicht auf, dass es sich hier um Grössen handelt, die gerade von Berlin zurückgekehrt sind und nächste Woche in London weilen werden. Im Gegenteil, sie sitzen da, in T-Shirt und Pulli, Marcel steht irgendwann auf, um sich einen Kaffee zu machen, während Jonas einen Mülleimer für seinen Kaugummi sucht. Authentisch, ehrlich und über sich selbst lachend.

Generation  Y?
Jonas  schmunzelt,  Marcel  antwortet:  «Wir  sind balanced, 55 Stunden pro Woche aber keine Workaholics.» Sport und  Freizeit  sind  beiden  wichtig,  Jonas  als  Läufer  trainiert  sogar mehrmals am Tag, denn auch dort ist er vorne mit dabei: «Ich hasse es zu verlieren.» Und ja, auf jeden Fall Generation Y: «Mir ist egal, wann  und  wo  die  Mitarbeitenden  ihre  Arbeit  erledigen,  sie  muss einfach erledigt sein», sagt Marcel. Auch herrsche bei purEco LED Du-Kultur, schliesslich sollen sich die Mitarbeiter ebenwertig fühlen und  ihre  Ideen  einbringen  können.  Eigentlich  könnte  es  für  die beiden noch weiter gehen: « Man sollte gar nicht klare Ferienregeln vereinbaren, man kann ja von überall aus arbeiten und der Fokus wird mit der strikten Arbeitszeitregelung irgendwie falsch gelegt», ist sich Marcel sicher. Und damit ist man erfolgreich? Es kommt natürlich noch mehr hinzu:  «Wir  waren  zur  richtigen  Zeit  am  richtigen  Ort  und  haben auf  die  richtige  Technologie  gesetzt»,  so  Jonas.  Und  bei  Marcel spielt  das  Bauchgefühl  eine  entscheidende  Rolle:  «Studieren  ist super,  aber  das  alleine  hilft  nicht,  es  gibt  keine  dummen  Menschen,  nur  faule.  Wir  waren  fleissig,  haben  uns  ergänzt,  nicht  zu viel überlegt oder hinterfragt und damit waren wir schneller als die anderen. Strategien kann man haben, aber in der Praxis kommt es  anders.»  Als  weiterer  Erfolgsfaktor  zählen  zudem  Partner  wie Banken, Versicherungen aber auch der microPark Pilatus und ein gutes Netzwerk. Jedes Start-up müsse harte Zeiten durchleben, ein finanzielles «Loch» zu haben sei praktisch unumgänglich, dann sei es wichtig, dass man auf sein Netzwerk zurückgreifen könne. Nebst all den genannten Erfolgsfaktoren sei letztlich aber eines entscheidend: Nicht zweifeln, glauben. Heute ist die Firma so weit etabliert, dass es keinen Abbruchplan mehr gibt. PurEco LED wird bestehen bleiben mit oder ohne Jonas und Marcel, die Firma lebt.

Was bringt die Zukunft?
Jonas: «Mein Ziel ist, dass die Firma so  organisiert  ist,  dass  sie  von  uns  unabhängig  ist.  Man  hat  es geschafft, wenn die Firma self-sustaining ist.» Marcel: «Ich möchte mindestens  100  Mitarbeiter  und  jährliche  Umsatzverdoppelungen haben. Ausserdem wollen wir im Ausland wachsen und die Produktion von China nach Europa holen. Klar muss es profitabel sein, aber  das  Geld  kommt  weit  hinten,  alles  Geld,  das  wir  verdienen,
wird investiert.» Start-up in der Industriestrasse «Der microPark ist eine saubere Adresse, ein Start-up in der Industriestrasse, klingt doch gut», lachen die beiden. Für sie sei der microPark ein gewaltiger Imagegewinn, das Unternehmen wirke viel stabiler, ohne den microPark hätten  sie  nicht  gleich  zu  Beginn  die  grossen  Kunden  begeistern können. Mit der neuen Lounge hat sich auch die Atmosphäre gewaltig  verbessert.  Und  obwohl  sich  Jonas  vorerst  weigerte  nach Obwalden zu kommen, erachtet er es heute als ideal: «Der Hauptsitz wird in Obwalden bleiben, denn eigentlich ist Alpnach Dorf sehr gut  erschlossen,  das  sagen  auch  unsere  Mitarbeitenden,  welche von Zürich oder etwa Schwyz anreisen.» Tipp für Unternehmer? «Fehler machen und daraus lernen, das lernt man an keiner Uni. Es gibt keine schlechten Entscheidungen, es gibt einfach viele, die gar nicht entscheiden. Es hilft auch, das Umfeld zu ignorieren, Erfolg zeugt leider Neid und Missgunst», so Marcel. Weiter solle man am Anfang nicht zu viel verschenken und alles stehe und falle mit den Mitarbeitenden: «Es braucht motivierte alpha-Tiere.» Als  Zweimann-Betrieb  mit  keiner  Ahnung  im  berüchtigsten  Markt der Welt zu starten, wie kann das funktionieren? Es hat funktioniert, weil der Zeitpunkt richtig war und weil viel Passion hinter der Arbeit steckt. Wahrscheinlich hat aber auch die Naivität dazu verholfen, wie sie erklären. «Wir haben in China gestartet und verlagern den noch verbleibenden Teil unserer Produktion nach Europa, in die Schweiz. Bereits heute wird ein grosser Teil der LED Leuchten in der Schweiz gefertigt. Eben nicht wie alle anderen, wir bevorzugen: «Go West».

 

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HINWEIS: Das Bauchgefühl zählt

Infos zu purEco:  www.pureco-led.com